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Liebe Mutter! Heute Mittag erhielt ich deinen Brief, der mich außerordentlich erfreute, da ich so lange Zeit von dir nichts gehört hatte. Die Bestürzung im Hause Bauer kann ich mir lebhaft vorstellen, doch sind wir davon Betroffenen guter Dinge, da wir noch nicht im eigentlichen Sumpfgebiet liegen, wo die Witterung nach langen hochsommerlichen Regenwochen jetzt warm und trocken ist und die Umgebung noch nicht den Reiz des Neuen für uns verloren hat. Hier gibt es wundervolles Holz, gerade das was wir auf der Halbinsel Kertsch vermißten. Somit haben wir gutes Brennmaterial in Hülle und Fülle. Die einheimischen alteingesessenen Einheiten haben sich außerordentlich gemütliche Bunker und Winterunterkünfte gebaut, in denen man 50° Grad Kälte spielend aushält. Meine größte Sorge ist also weniger der böse Feind als vielmehr die Wintervorbereitungen. Noch sind wir allerdings im Kampf und haben keine feste Bleibe. Was ich persönlich für den Winter gebrauchen kann will ich dir kurz mitteilen. Vor allem 1 Paar dicke Wollstrümpfe und 1-2 Kaninchen- oder Katzenfelle, aus denen ich mir von meinem Batterieschneider eine Kappe, wie sie sich hier als zweckmäßig erwiesen hat und ein Paar Fausthandschuhe anfertigen lassen will. Meine Sonnenbrille werde ich als Schneebrille sehr gut gebrauchen können. Das wichtigste sind ein Paar gute Filzstiefel, die bis zu den Knien reichen müssen, aber solche Dinger kennt man in Deutschland überhaupt nicht, geschweige denn wird man sie im freien Handel erstehen können. Von entscheidender Bedeutung ist „geistige Winterausrüstung“ in Gestalt von guten Büchern. Die dunklen Winternächte in nur spärlich erleuchteten Bunkern sind ohne Bücher nach Aussagen der „Einheimischen“ auf die Dauer nicht auszuhalten. Und ewig kann man nicht Karten spielen und Schnaps trinken. Wenn es irgend möglich ist seht euch nach einem Kofferradioapparat um, den ich dann durch einen .......Urlauber abholen lassen werde. In kürze schreibe ich wieder. Bis dahin schließe ich mit den herzlichsten Grüßen an Timm-Ludwig und Freya und besonders an dich dein Max-Eugen |
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