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Lieber Vater! Auch dir möchte ich nach längerem Schweigen einen kurzen Frühlingsgruß schicken. Seit 3 Tagen scheint die südliche Sonne von früh bis spät vom wolkenlosen Himmel, die Steppe verfärbt sich grün und in den verwüsteten Gärten der Häuser im Dorf, wachsen wie Wunder, Blumen die einen betäubend süßen Duft ausströmen. Dazu singen die Lerchen vormittags genau so wie in der Heimat. Von meinem Quartierfenster aus, wir liegen seit längerem in Ruhe, grüßen die zackigen Kämme des Jailagebirges. Ein wundervoller Anblick! Einmalig an der ganzen Ostfront. Einige Kameraden haben das Glück gehabt und sind am Meer, am Südhang des Gebirges, wo es den fabelhaften Krimsekt und die süßen schweren Weine noch jetzt überreichlich geben soll. Ich hätte mit einem Teil meiner Männer ebenfalls dort hin kommen können, allerdings nur für sehr kurze Zeit, habe es jedoch vorgezogen mit allen zusammen hier in einem kleinen abgelegenen Dorf zu bleiben, wo ich meine Pferde ständig im Auge habe und die Frühjahrsausbildung persönlich leiten kann. O, es ist hier jetzt wunderbar. Fast könnten wir den Krieg vergessen, wenn nicht täglich Flugzeuge und der Artilleriedonner der Front an ihn erinnern. Ich komme mir vor wie in Rumänien vorigen Jahres zur gleichen Zeit, nur gab es dort bedeutend mehr. Wie empfindet man das Leben, die einfache Tatsache das man überhaupt noch da ist und diese Sonne, diesen Frühling erleben darf, als ein beglückendes Geschenk des Schicksals. Bis zuletzt hatte uns der Winter und die Not in ihren Krallen. Der März hat uns mehr an Blut gekostet als der ganze bisherige Feldzug in Rußland. Ein Monat Stellungskrieg von Weltkriegsformat mit hunderten von Geschützen auf wenigen Kilometern Frontbreite. Nur wer mit dem Tod zwischen den Trichtern unzählige Male um die Wette laufen mußte, weiß von unserem augenblicklichen Glück während dieser Frühlingsruhe. Gestern war der Geburtstag unseres Führers. Ich hatte 1 Eisernes Kreuz 1.Kl. und 9 2.Kl. dazu 2 Verdienstkreuze verteilen können und sehr viele Beförderungen ausgesprochen. In einem kurzen Appell gedachten wir des Mannes, der uns in diesem Sommer gegen Rußland zum Siege führt und den wir alle geradezu blind wie gläubige Kinder vertrauen, mag es auch wie so oft in diesem Winter Befehle gegeben haben, deren Ausführung an die körperliche und seelische Widerstandskraft von Führung und Truppe die höchsten Anforderungen stellte. Mit größtem Interesse verfolgen die gebildeten unter uns die ostasiatische Entwicklung, besonders der Schlacht in Burma, wo England anscheinend sehr hartnäckig den Landzugang nach Indien verteidigt. Jetzt hat Japan Rohstoffe mehr als genug, gerade das was uns trotz aller Erfolge noch fehlt. Am Ende dieses Jahres wird es hoffentlich auch in diesem Punkt bei uns besser aussehen. Dafür werden wir schon sorgen und von unserer Stelle nach Kräften mithelfen. Von Herzen grüßt dich dein Max-Eugen |
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