![]() |
||||
|
|
||||
![]() |
![]() |
|||
|
Lieber Vater! Ich weiß wie sehr du auf ein Lebenszeichen von mir wartest und habe schon seit längerer Zeit an dich schreiben wollen, leider hat mich das Kampfgeschehen an der Front bisher nicht dazu kommen lassen. Um so lieber greife ich heute zur Feder um dir von uns und mir zu berichten. Gleich vorweg: Es geht mir gut, ich bin gesund und wohlauf und genieße im Augenblick etliche Kilometer hinter den Stellungen den erwachenden Frühling bei meinen Protzenpferden. Endlich ist es soweit! Nach vielen vergeblichen Vorstößen gegen Eis und Schnee hat die Frühlingssonne jetzt endgültig die Oberhand gewonnen. Mit welcher Sehnsucht sie erwartet wurde glaube ich kann nur der ermessen, der den ganzen Winter hindurch gekämpft hat. Der Wehrmachtsbericht der letzten Wochen hat viele Male von unseren Kämpfen an erster Stelle berichtet. Und das mit Recht ! Ich bin stolz, daß ich bei dieser Abwehrschlacht, die Trommelfeuer und Panzerwaffeneinsatz gefahren hab, dabei sein durfte. Die im Wehrmachtsbericht erwähnte 46.Inf.Div. haben wir in den vordersten Reihen ihrer heldenhaften Infanterieregimenter teilweise sogar im direkten Schuß unterstützt. Zumal ich saß mit meiner Beobachtung auf einer heiß umkämpften Höhe, auf der es einen natürlich gewachsenen Boden nicht mehr gibt und mir zwei Unterstände über dem Kopf durch Artillerievolltreffer zusammengeschossen wurden. Heute wo das alles vorüber ist kann ich es immer noch nicht fassen, daß eine wunderbare gnädige Vorsehung mich und meine tapferen Männer heil aus dieser Artilleriehölle herausgelassen hat. Eine Batterie verlor in 1 Woche ihre sämtlichen Offiziere und schoß mit einem Geschütz allein 11 Panzer, teilweise 52 Tonner zusammen 6 Kanoniere wurden dabei am Geschütz verwundet. Heute habe ich seit 3 Tagen die Führung dieser Batterie übernommen, nachdem ich den schweren Abwehrkampf mit meinen alten Leuten durchmachen durfte. Noch immer zittert in uns die Erregung des Kampfes. Jetzt sind wir erst richtig alte „Hasen“ auf dem Gefechtsfeld, sozusagen mit allen Hunden gehetzt. Lieber Vater ! Mit diesem an unserer Abwehrfront zusammengeschossenen russischen Großangriff, der nach meiner Meinung die Krim im ersten Ansturm überrennen sollte um dann dem deutschen Südabschnitt in die tiefe offene Flanke zu stoßen, bricht für den Russen die letzte Hoffnung auf den Sieg im Süden, oder nur eine Wendung der augenblicklichen Lage zusammen. Es ist sage und schreibe trotz ungeheurer Einsätze an Menschen und Material und einer mindestens 10 fachen Überlegenheit noch keine 10 km weit vorgekommen als Angriffsergebnis von über 4 Wochen. Jetzt kommt der Frühling und werden auch wir eines Tages aus unseren Löchern und Gräben schwingen, die aufgespeicherte Wut und Erbitterung über die Leiden in Eis und Schnee werden sich Luft schaffen in einem Angriff wie er wilder und verbissener wohl nie wieder gelaufen wird. Und nach diesem Angriff wird der Russe zusammenbrechen. Seine Infanterie ist schon jetzt demoralisiert und ganz erbärmlich schlecht ausgebildet. Der Russe glaubt immer noch, es mit dem Material allein schaffen zu können und schleppt nun fieberhaft alles zusammen. Aber erst der kämpferische Wille des Einzelnen, seine seelische Widerstandskraft und Erfahrung in der Handhabung der Waffen auf dem Gefechtsfeld geben dem guten Kriegsmaterial die durchschlagende Wucht und vernichtende Wirkung. Und das dieser Geist im russischen Winter nicht in Frost und Schneesturm zerbrochen ist sondern ewig jung und frisch in uns weiterlebt, davon zeugen unsere gewaltigen Abwehrerfolge und werden die Vernichtungsschlachten des kommenden Frühjahrs und Sommers Zeugnis ablegen. Ich habe nun noch einige kleine Wünsche. Meine gesamte Wasch- und Toilettenausrüstung ist dahin. Wenn irgend möglich schickt mir das Notwendigste, wie Kamm, Zahnbürste, Rasierapparat, Nagelschere usw. Eventuell als Dienstpost an meine neue Feldpostnummer 27142D. Desgleichen wird mir der Rgt.Kdr. mir schon jetzt aus der Heimat ein Dutzend goldene Sterne für die Schulterstücke kommen zu lassen, worauf ich ihn ungläubig ansah immerhin diesen Rat an euch weitergeben. Ferner wäre ich hoch erfreut, wenn es gelänge ein Offizierskrätzchen für Artillerie Kopfgröße 56 ½ in Deutschland zu beschaffen, desgleichen ein Offizierskoppel mit Pistolentasche aus Leder und mir diese Stücke hierher zu schicken. Die kleine Holzkiste mit der Pelzweste und all den anderen guten Dingen habe ich erhalten und danke nochmals dafür. Den Hauptmannskoffer und Umhang brauche ich hier nicht. Vorgesehen für spätere bessere Tage. Sie müssen ja auch eines Tages wiederkommen. Viel bin ich mit meinen Gedanken bei dir und den lieben daheim. Hoffentlich geht es euch allen und vor allem dir lieber Vater gut. Auch bei euch wird jetzt die erste Frühlingssonne scheinen, die Lerchen anfangen zu singen und damit die Hoffnung und der Glaube an eine gute Zukunft und den siegesreichen Ausgang des Krieges übermächtig der Menschen Herzen ergreifen. Um mich seid alle unbesorgt, ich kämpfe unter einem besonders glücklichen Stern und glaube fest an ihn. Mit den herzlichsten Grüßen an die Geschwister, Mama und besonders dich möchte ich schließen. Dein Max-Eugen |
|
![]() |
![]() |
| zurück | |









