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Liebe Mutter! Auch dir möchte ich jetzt, wenn auch etwas verspätet, für deine lieben Grüße zu Weihnachten und zu Neujahr danken. Deine mit so unendlicher Liebe und Sorgfalt gepackten Pakete habe ich bis auf einige alle erhalten. Ihr reichhaltiger köstlicher Inhalt hat mich hocherfreut. Alle Lebensmittel waren unverdorben und die Söruper Mettwurst hat ganz fabelhaft geschmeckt. Die schönste und größte Überraschung war das frühe Eintreffen von all diesen köstlichen Dingen. Am Heiligen Abend erhielt ich im Unterstand vor Sewastopol nicht weniger als 12 Weihnachtspäckchen. Wie, war mir ganz und gar schleierhaft. Die Freude war ob des auf die Minute glücklichen Eintreffens natürlich besonders groß. Und alle die Nachzügler mit ihrem wundervollen Inhalt, bis zu Papas kleiner Holzkiste, die unversehrt bei mir eintraf, vergrößerten in den schweren Kampfwochen des Monats Dezember und Januar meine Erwartung und Freude bei ihrem Eintreffen um so mehr, da ich wußte was zu mir unterwegs war. Liebe Mutter! Deine langen, ausführlichen Briefe haben mir ebenfalls unvergeßliche Stunden bereitet. War ich doch so imstande alle eure Familienfeierlichkeiten wenn auch nur in Gedanken mitzuerleben. Wie schön müßt ihr es auch in diesem Jahr wieder gehabt haben! Es ist immer wieder erfrischend zu hören, daß bis auf die Fliegerangriffe in der Heimat alles so wohl geordnet ist und es dir und unserer Familie trotz Krieg und Einschränkungen aller Art, gut geht und euer Söruper Landaufenthalt auch im Winter von euch als angenehm und aufmunternd, trotz der ländlichen Einsamkeit, empfunden wird. Ja,- die Geschwister sie wachsen heran und machen sich so langsam selbständig. Ihren Bruder im Felde kennen sie nur noch in seinen Briefen und in meinen früheren Urlaubszeiten. Aber trotzdem fühle ich aus ihren herzlichen Briefen, daß ich ihnen noch nicht entfremdet bin, was mich sehr glücklich macht. Im Übrigen gehen sie wohl sehr bald ihren eigenen Weg. Wie schön, daß du in unserer Frage noch auf lange Jahre hinaus ein Lied bei dir hast, während wir wer weiß wo in der Welt herumschwirren. Und was Einsamkeit bedeutet, daß wissen wir Rußlandkämpfer nur zu gut. Ein Glück, daß Kameraden und die tägliche Pflicht es meistens verhindern zu uns selbst zu kommen. Nun hätte ich fast das Wichtigste vergessen: Eure Bilder, ich meine die mir von Papa zugeschickten wundervollen Photographien. Sie sind in meinem Gepäck mit mein größter Schatz. Besonders Freya und du sind ganz fabelhaft natürlich gelungen. Wenn es angängig ist und überhaupt möglich, so schicke mir doch von unserem Familienbild, sobald Onkel Fritz es fertiggestellt hat, eine schöne ev. vergrößerte Photographie. Ich interessiere mich brennend dafür. Jetzt wird es bei uns hier unten auf der Krim bald Frühling und damit entbrennt hier an unserem Frontabschnitt wohl zuerst wieder die Schlacht. Seit 2 Wochen führt die Batterie wieder der alte Chef. Wie ich mich nach diesem freudlosen Kriegswinter wieder nach der Sonne sehne! Die kommenden Frühlingswochen werden trotz Krieg wahrscheinlich wundervoll werden. Der Sommer soll hier wie in Rumänien drückend heiß sein. All mein hoffen kreist deshalb um diesen Frühling. Er wird von uns allen als Erlösung empfunden und in allen Phasen ganz bewußt miterlebt. So etwas kann man nur als Soldat erleben in einem Lande, daß im Winter grauenhaft ist und schwache Herzen und Seelen einfach zu Boden wirft und vernichtet. Um meine Gesundheit bange ich jetzt auch nicht mehr. Zum Glück habe ich bei mir Erfrierungen immer noch rechtzeitig verhindern können und auch sonst immer Glück gehabt. Hoffentlich auch in den kommenden Monaten. Nun grüße ich dich nochmals von ganzem Herzen und danke dir für all die Liebe und Sorge mit denen du mich in den Winterwochen geradezu überhäuft hast und verbleibe dein Max-Eugen |
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