![]() |
||||
|
|
||||
![]() |
![]() |
|||
|
Liebe Eltern! Gerade ist der Brief an euch mit dem kleinen Panjewagen nach hinten unterwegs, da kommt schon ein Kanonier mit euren lieben Briefen aus Sörup und Kiel, sowie die Zeitungen zu mir. So will ich sogleich einen Dankesgruß hinterherschicken und zwar diesmal nach Kiel, damit keiner zu kurz kommt. Wir haben inzwischen unsere Stellung 2 km vorverlegt. Eigentlich sollte heute ein großer Angriff auf eine schwer befestigte Schützengrabenlinie etwa 3000 m vor uns steigen. Doch ist diese Unternehmung anscheinend verschoben, so daß ich wunderbar Zeit habe, diesen Brief ungestört zu beenden. Welche guten Nachrichten enthielten eure Briefe. Ich habe mit größtem Interesse den Brief von der frisch-fröhlichen Erntearbeit in Sörup und Hessen gelesen und von Freya´s erstem Schultag erfahren, diesem hochbedeutsamen Ereignis. Hoffentlich bleibt ihr so lange wie möglich in Sörup. Es wird sich in jeder Beziehung lohnen. Und ich kann als „Außenstehender“ die wohltuende Wirkung dieses Landaufenthaltes, der aus deinen fröhlichen Briefen, liebe Mama, mir so lebendig geworden ist, mit am Besten beurteilen. Die Grüße aus Angeln duften immer nach Wiesenblumen, Kuhstall und Buchenwäldern und zaubern mir immer wieder die Bilder der Heimat mit unheimlicher Lebendigkeit vor Augen. Ihr glaubt gar nicht wie wunderbar erfrischend und belebend selbst die liebevoll geschilderten Kleinigkeiten aus eurem Alltag auf mich wirken. Dieses Rußland wird mit seiner unendlichen Gleichförmigkeit auf die Dauer unerträglich. Auch Papas Brief war für mich eine große Freude. Wie ruhig, ja heiter, können wir tagtäglich in den Kampf gehen, wenn wir in der Heimat so viel Verstehen finden. Alle Familiennachrichten interessieren mich besonders. Karl-Friedrichs Division hat bei Borislawl einen schweren Kampf gekämpft, verlustreich aber schneidig, wir haben ihren ersten Erfolg........ . Jetzt weiß ich nicht wo Karl-Friedrich steckt. Wahrscheinlich Reserve. Irgendwo hinterher marschieren. Denn sie haben abgelöst! Noch leiden wir nicht unter schlechtem Wetter. Wenn sonniges Wetter noch einige Zeit andauern wird, können unsere Operationen weiter so reibungslos verlaufen wie bisher. Ich vertraue darauf! Doch will ich rechtzeitig vorsorgen. Anbei schicke ich deshalb die Bezugsscheine für ein Paar gefütterte Handschuhe (Größe 8 ½) (Pelz- oder Lammfell gefüttert), von deren Vorhandensein ich schon öfter in den Heereskleiderkassen mich überzeugt habe. Vielleicht werden auch in diesem Herbst besondere Winterkleidungsstücke herausgebracht. Wenn etwas Brauchbares für mich darunter sein sollte, schickt es, soweit das Gewicht es möglich macht; an die Dienststelle können ja auch schwerere Sachen geschickt werden. Eine wollene Bauchbinde ist natürlich ebenfalls hoch willkommen, des gleichen dicke Unterwäsche, was aber auf Beschaffungsschwierigkeiten stoßen wird. Ich komme auch mit dem Vorhandenen ganz gut aus. Einige Kleinigkeiten die ich noch gebrauchen kann: Ein Zigarettenetui, ein Dosenöffner, 2 verschließbare Dosen zum Aufbewahren von Schmalz und Wurstwaren, Stopfwolle, Hosenknöpfe und Kragenknöpfe sowie ein kleiner Zeichenblock mit dünnerem Papier. Wenn wir zur Neureorganisation eines Tages aus der Kampffront herausgezogen sein sollten, wird auch alles ordnungsmäßig in meine Hände gelangen. Sonst bin ich mit allem gut versorgt und erfreue mich einer ausgezeichneten Gesundheit. Mein sprichwörtliches Glück wird mich hoffentlich auch in Zukunft nicht verlassen. Ich freue mich immer wieder auch von euch zu hören, daß ihr euch frisch und gesund fühlt und wünsche in der jetzt einsetzenden naßkalten Herbstzeit auch weiterhin körperliches Wohlbefinden. Wie dankbar können wir sein, bisher von allen Fährnissen und schwersten Opfern dieses Krieges verschont geblieben zu sein. Ich bitte auch die Geschwister herzlich von mir zu grüßen und verbleibe für heute Euer Max-Eugen |
|
![]() |
![]() |
| zurück | |









