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Liebe Eltern! Heute genießen wir wiederum einen sonnigen Ruhetag, der noch durch einen frischen Wind, würzig wie Seeluft, besonders erfrischend für Mensch und Tier ist. Erst gestern erhielt ich Mamas lieben Brief vom 11.08.41 mit dem reizenden kleinen Foto von Freya auf dem Reisighaufen mit den beiden Kätzchen auf dem Schoß. Ihr seht daran, dass Briefpost rund 2 Wochen braucht um in unsere Hände zu gelangen. Nicht minder groß ist die Freude hier draußen über jeden Gruß aus der Heimat und so danke ich auch herzlich dafür. Inzwischen werdet ihr meine anderen Briefe ja schon erhalten haben und über unsere Schicksale informiert sein. Wir befinden uns nun schon fast 2 Wochen mit einigen Unterbrechungen auf dem Vormarsch nach Osten und haben gestern kurz nach Mitternacht auf der 200 m langen Pontonbrücke den Bug überschritten. Weit vor uns liegt die Front oder besser gesagt jagen die einzelnen motorisierten Schützen der Armee den zermürbten Feind hinterher. Am unteren Dnjepr scheint sich der Gegner noch einmal zu einem größeren Widerstand aufgerafft zu haben. Es wird ihm aber alles nichts mehr nutzen. Einer Armee, die nach den einstimmigen Aussagen der Bevölkerung nur noch durch die Lügen und den blutigen Terror der Politkommissare gegen uns in den Kampf getrieben wird, muß über kurz oder lang vollständig auseinanderfallen oder wird von uns furchtbar zusammengeschlagen. Durch unser kleines Radio und deutsche Zeitungen aus dem Reich, die uns nur mit 1-wöchiger Verspätung erreichen, sind wir über alle Vorgänge bestens unterrichtet. So rief die großartige Erfolgsmeldung auf dem Atlantik 148.000 BRT von unseren Seestreitkräften versenkt, bei uns größte Freude und Genugtuung hervor. Die russischen Räume sind kleiner geworden, die unendliche Weite schreckt nicht mehr. Auch die seelische Belastung der Einsamkeit und das nachrichtenlose abgeschlossen seins hat für uns deutsche Soldaten, die hier wohl am weitesten von Deutschland entfernt tief im Feindesland stehen, durch die Ätherwellen ihre Schrecken verloren. Greifbar nahe erscheint uns die Heimat und wird durch den tapferen Einsatz unserer P.K. Männer der Heimat auch die Kampffront erscheinen. Ich hörte, dass Mama in der Wochenschau Aufnahmen vom vollständig zerstörten Balti in Bessarabien gesehen hat. Wenn es sich tatsächlich in diesem Ort, von dem ich übrigens auch unter meinem inzwischen wohl angekommenen Negativen einige Aufnahmen gemacht habe, handeln sollte, so seit ihr Zeugen unseres sehr schweren und verlustreichen Kampfes in diesem Ort gewesen und auch wenn es Balti in der Südukraine war, so durftet ihr uns in der Nähe wähnen, wo wir tagelang im Abwehrkampf standen und wo nur wenige Kilometer nordostwärts von uns die Vernichtungsschlacht von Uman währenddessen geschlagen wurde. Auf jeden Fall wird die Heimat durch die Frontfilme in diesem Kriege nicht wieder ohne Verständnis den schweren Kämpfen der Soldaten an der Front und seinen Lebensgewohnheiten gegenüberstehen, wie es bei den im Weltkriege häufig der Fall war und steht auch der Soldat im Schützenloch noch in Verbindung mit dem großen polit. und militärischem Geschehen an allen Fronten des Reiches. Ich glaube, dass der Krieg gegen Sowjetrussland trotz der schweren blutigen Opfer für unser Volk doch ein Segen geworden ist, nicht so sehr in der Abwendung der militärischen Bedrohung als vielmehr durch die tagtägliche Anschauung in unleserlich und die Vergleiche mit unserem einzigartigem wunderbaren Deutschland. Wie stolz und selbstbewusst wird jeder auf dieses Deutschland blicken und es einfach als selbstverständlich als geradezu natürlich empfinden, dass wir das führende Volk Europas und ein Recht haben als solches anerkannt zu werden. Und für die Führer unseres Volkes kann es nur noch das eine geben die Quellen unserer völkischen Kraft vor jeder weiteren Verschüttung und Verseuchung zu schützen, dass furchtbare Elend und Verkümmerung des Sowjetmenschen ständig vor Augen. Alles Rätselraten über unsere künftige Verwendung hat keinen Zweck. Ich glaube nach wie vor, dass wir noch einmal eingesetzt werden. Auf jeden Fall muß man sich langsam mit dem Gedanken einer Überwinterung tief irgendwo in Russland vertraut machen. Aber nach den Berichten der Landeseinwohner soll der Winter hier durchaus erträglich sein. Wir liegen ja bisher noch ziemlich am Schwarzen Meer. Aber man kann ja nie wissen an welchem Ende der Welt wir bis dahin landen. Nach überschreiten des Bug haben wir Gott sei Dank das hügelige Land verlassen, dass bei dem Schlechtwetter uns so manches Mal an den Rand der Verzweiflung brachte. Allmählich wird es immer flachwelliger bis hinter den Dnjepr wohl der Karte nach zu urteilen die endlose südrussische Steppe beginnt, die bis an die untere Wolga und von da noch bis weit unendlich weit nach Osten sich ausbreitet. Die Besiedlung wird merklich dünner, die Dörfer sind armselig teilweise verfallen, die Bewohner bis auf die wehrfähigen Männer fast vollzählig zur Stelle. Vor 2 Tagen marschierten wir durch ein deutsches Siedlungsgebiet und hatten Gelegenheit uns Einzelheiten über das Leben in diesen Kolchosendörfern erzählen zu lassen. Einfach erschütternd. Dabei sprechen sie ein wunderbares Pfälzerdeutsch und hielten eisern an ihrem Deutschtum trotz aller Unterdrückung fest. 20 % der Ernte gehört jetzt ihnen, der Rest wird in das Reich abgeliefert. Alles hat der Russe weggenommen oder fortgetrieben. Seine alte Taktik. Wenn es nicht so oft geregnet hätte, wären Felder und Dörfer in Flammen aufgegangen. Außerdem kamen wir hier zu schnell. Ihr werdet in jedem P.K. Bericht das gleiche lesen und die Wirklichkeit ist meistens noch viel schlimmer. Wie glücklich dürft ihr sein in Deutschland zu leben, dass vom Kriege kaum zerstört und verwüstet ist. Für heute möchte ich schließen und grüße euch alle auf das herzlichste. Euer Max-Eugen PS: Ich schicke gleichzeitig 2 Filme zum entwickeln. Empfang bitte bestätigen! |
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