![]() |
||||
|
|
||||
![]() |
![]() |
|||
|
Liebe Eltern! Endlich finde ich heute wieder etwas Zeit euch von den Ereignissen der letzten Tage zu unterrichten. Wir liegen seit 2 Tagen auf einem schattigen bessarabischen Bauernhof, waschen uns tüchtig, schlafen, essen und bringen unsere völlig verdreckten Klamotten wieder in Ordnung. Vor einigen Tagen erhielt ich eure lieben Geburtstagsgrüße mit dem Schokoladenpäckchen, für die ich herzlich danke. Die Wege und vor allem die Witterung (starker Gewitterregen) sind jedoch derartig schlecht, dass eine schnelle Feldpostzustellung einfach unmöglich ist, im Übrigen wird zuerst Munition und Verpflegung gefahren. Unsere Division hat die ersten Kämpfe hinter sich, leider schon erhebliche Verluste. Mein hochverehrter letzter Abteilungskommandeur fiel mit seinem Adjutanten schon in den ersten Tagen. Wir haben jetzt die alte russisch-rumänische Grenze dauernd kämpfend erreicht und müssen endlich eine kleine Pause zum Luftschnappen einlegen. Alleine auf uns gestellt erwähren wir uns tagtäglich sehr unangenehmer Flankenangriffe. Teilweise haben wir nach Norden, Westen und Osten zugleich gekämpft, ein Heerwurm der nach allen Seiten beißt. Aber der Gedanke die wichtigen deutschen Angriffsschläge um unleserlich zu decken, wenn auch unleserlich und unter ungeheuerer Menge Schwierigkeiten, erfüllt uns immer wieder mit neuem Mut und frischer Kraft. Leider hören die Verluste im zähen Kleinkrieg auf der Flanke nicht auf. Unsere Infanterie hat seit Angriffsbeginn noch kaum einen Tag Ruhe gehabt. Sie muß fast unmenschliches leisten. Wenn wir die Geschütze im Feuer kehrt (!) machen lassen, muß sie sich immer wieder zur Abwehr stellen. Der Russe kämpft in der Verteidigung sehr geschickt, tarnt sich unheimlich gut. Dazu kommt ihm das offen stark hügelige Gelände (Höhen bis zu 300 m) sehr zugute. Trotzdem sind wir ohne Rücksicht auf Sicherungen durchgestoßen nach Norden. Den schwersten Widerstand hatten wir bei Balti zu überwinden. Ich habe als Ord.Offz. und ständiger Begleiter des Rgts.Kommandeurs die Kämpfe der Div. einmal von einer ganz anderen Seite miterlebt. War fast bei jeder Besprechung mit dem General dabei, sah die Angriffs- und Abwehrbefehle entstehen, kurz und gut: der militärische Horizont hat sich ganz außerordentlich erweitert. Gleichwohl weiß ich erst jetzt, wie dankbar das Leben in der Batterie ist. Noch immer bedaure ich es ganz schwer in meine jetzige Stellung versetzt zu sein. Ich bin meiner ganzen Veranlagung nach Truppenoffizier, der nur einen Wunsch hat, seinen Männern Vorbild und Erzieher zu sein, wozu sich jetzt die größte Gelegenheit bietet. Jedes mal wenn ich mit meinem Krad völlig verdreckt meine alte Batterie an mir vorbeiziehen lasse und die fröhlichen Gesichter sehe, wenn ich die alten Kameraden nur kurz begrüße, kommt mir diese Trennung von der Truppe besonders schmerzlich an. Vor allem kann ich für niemanden mehr sorgen, und habe keine Verantwortung für einen Haufen, der mir ganz allein zugegeben ist. Ihr werdet meine kurzen Andeutungen schon richtig verstehen. Es ist nun einmal so gekommen und ich muß auf meinem neuen Platz meine Pflicht erfüllen, die zwar nicht gerade bequem ist wie der Landser, wenn er Stäbe vorüberrauschen sieht, sehr oft annimmt. Mein Herz ist aber nach wie vor bei meinen Batterien. Die fast unwahrscheinlichen Erfolge im Norden erfüllen uns mit Stolz und großer Freude. Ihr könnt aber davon die Gewissheit mitnehmen, dass diese Kämpfe die bisher schwersten des ganzen Krieges sind. Was uns bevorsteht wissen wir nicht, der Wille zu siegen erfüllt die Truppe geradezu fanatisch. Der Russe kämpft gut als Infanterist wird schlecht in großem geführt. Seine Artillerie war geradezu schneidig bei den Rückzuggefechten und hat uns schwer zu schaffen gemacht. Hier kämpft eben Naturkraft nicht wie im Westen degenerierte Intelligenz. Mir geht es ausgezeichnet. Es grüßt euch herzlich Euer Max-Eugen |
|
![]() |
![]() |
| zurück | |









