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Liebe Eltern! Wie schnell die Zeit läuft! In wenigen Tagen ist es schon ein Jahr her, dass wir in Polen die erste Feindberührung erlebten, die für mich ja auch nur kurze Zeit andauerte, bis zum 09.09. abends. Was liegt nicht alles zwischen damals und heute? Wir Mitgestaltenden können es kaum übersehen, die weltgeschichtlichen Auswirkungen nur ahnen. Wir sehen täglich die deutschen Flugzeuggeschwader in großer Höhe über uns dahinziehen – gegen England. Nicht ganz ohne Neid blicken wir Ihnen aus unserer armseligen Enge nach. Der Wehrmachtsbericht am nächsten Mittag kündet schon von ihren Flügen und Erfolgen. Wir sind im Augenblick nur Zuschauer und es ist schwer noch im Ernst an einen Einsatz zu glauben. Und doch ist es nur diese letzte Hoffnung, die uns immer wieder in diesem dahinschleichenden Besatzungsdasein aufrechterhält. Gewiss, so sehr wir auch beschäftigt sind und auf jedem Platze unsere Pflicht erfüllen müssen, so sehr warten wir darauf, daß wir endlich auch als Soldaten gebraucht und eingesetzt werden. Es wäre doch furchtbar wenn wir eines Tages nach hause kommen und vielleicht 4 Jahre in dieser zeit Soldat gewesen sind ohne einmal als Soldaten eingesetzt worden zu sein. Das würden wir im ganzen Leben nicht mehr verwinden. Aber wenn es einmal soweit kommen sollte, dass wir die ersten Granaten gegen den tatsächlichen Feind schicken, dann, und so denken Alle, werden wir uns ganz gründlich rächen. Wenn sich der Gegner auf dem gegenüberliegenden Kanalufer jedoch schon vorher ergibt, wird er eine Besatzung erleben, die er niemals vergessen soll. Wir behandeln diesen Schuft von Franzosen noch immer viel zu gut. Schade, dass sie sich so schnell ergeben, es ist noch viel zu viel heil geblieben, wirklich jammerschade! Ihre Kultur ist in Wirklichkeit eine Mottenkiste. Selbst der Pole ist mir nicht so widerlich wie dieser speichelleckende Franzose. Wer das nicht miterlebt hat, wird es niemals verstehen. Ja so ist es, die meisten sehnen sich nach hause, nach Familie, Arbeit, nach Deutschland, ein ganz kleiner Teil vor allem die jüngeren Soldaten wollen natürlich was erleben, Ihre Geduld wird auf eine ebensoharte Probe gestellt. So muss man immer wieder allen einhämmern, jawohl es geht noch einmal los und dann müsst Ihr hundertprozentig auf Draht sein. Immer wieder! So kreist aller denken immer wieder um dieses große Fragezeichen. Was soll man denn auch sonst anfangen. Die Franzosen sind für uns Luft, ein Dreck. Wenn sie etwas wollen müssen sie deutsch sprechen. In größere Städte kommt man nicht. Man hat außer Zeitung nichts zu lesen. Radio ersetzt viel. Wenn man nicht so allerhand Langeweile und Stumpfsinn gewohnt wäre würde man sich wahrscheinlich todunglücklich fühlen. Unser Dasein ist ganz einfach. Dienst, Essen, Trinken, Radio, Papierkrieg, Schlafen und Zuhören wenn andere angegriffen und gesiegt haben. Vor allem ist man entsetzlich faul geworden, aber das geht wohl wieder weg, wenn man wieder etwas mehr Gelegenheit zur Arbeit hat. Für Heute Schluss. Es grüßt euch herzlich Euer Max-Eugen |
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