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Soldbuch KM 2
Soldbuch KM 2

Wehrmachtlexikon

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Einheiten KM 1
Einheiten KM 1

            

Einheiten KM 1
Beschreibung: Geheim !

Gefechtsbericht

der Kampfgruppe 4. über die Einnahme von Christiansand und Arendal am 9. April 1940.

1. Der Anmarsch der Kampfgruppe 4. geht aus dem Kriegstagebuch der "Karlsruhe" hervor. Zusammenfassend melde ich zu dem Vormarsch, daß er durch Nebel, der nördlich von Hornsriff bis nach Christiansand angetroffen wurde, navigatorisch an die einzelnen Schiffe und Verbände hohe Anforderungen stellte. Erschwerend kam das Sammeln der getrennt marschierenden Gruppen um 0030 Uhr 7 sm nördlich von Hansholm in dunkler Nacht und bei Nebel hinzu. Die Gruppe 4. wurde zeitlich so geführt, daß der Verband um 0400 Uhr 9.4. vor der Hafeneinfahrt Christiansand stand. Da die norwegischen Küstenfeuer gelöscht waren und dicker Nebel vor der Küste lag, der Einlaufen in den Hafen navigatorisch nicht ermöglichte, ging der Verband um 0330 Uhr auf langsame Fahrt, um auf der 200 m Linie, die navigatorisch gut anzuloten war, auf- und abzustehen.

2. Angriff gegen Christiansand

Kurz nach 0600 Uhr klarte es soweit auf, daß der Verband mit einigermaßen navigatorischer Sicherheit an die Einfahrt herangeführt werden konnte. Die Felsenküste kam kurze Zeit später aus den Nebelschwaden heraus, so daß eine Orientierung möglich wurde. Es wurde ein norwegisches Schwimmerflugzeug über der Küste gesichtet. Da es jedoch nicht auf den Verband zuflog, sondern nach Sichten abbog und in den Nebelschwaden verschwand, wurde es nicht beschossen. Gegen 0630 Uhr lief die Kampfgruppe in Reihenfolge: "Ku.", "Luchs", "Seeadler", 2. S.-Flottille, "Tsingtau" in den Fjord ein. Auf die vorgesehene Umschiffung der Heerestruppen auf die Schnellboote mußte wegen der fortgeschrittenen Zeit und eingetretenen Helligkeit verzichtet werden. Das Überraschungsmoment war durch die ungünstige Witterung verloren gegangen. In der Einfahrt bei Oksö kam der norwegische Lotse an Bord, der festgehalten wurde. Kurz vor dem Verband lief ein deutscher Dampfer in den Hafen ein, der später an Bb. brennend auf den Klippen aufgesetzt gesichtet wurde. Kurz nach passieren der Leuchttürme von Oksö und Gröningen erhielt der Verband von den Batterien auf der hohen Insel Odderöy Feuer, daß von "Ku." und den Torpedobooten erwidert wurde. "Ku." konnte nur mit dem vorderen Turm erwidern. Da bei der vorgefundenen Lage ein Niederkämpfen der Batterien artilleristisch zunächst nicht möglich erschien und ein gewaltsames Einbrechen in den Hafen die Gesamtaufgabe gefährdet hätte, wurde der Verband durch eine Gefechtskehrtwendung auf der Stelle herumgeworfen und das gegnerische Feuer durch das Legen von Nebelwänden abgedeckt. Der Verband wurde außerhalb der Reichweite der Batterien herausgezogen. Um 0710 Uhr wurde das Bordflugzeug mit dem Befehl gestartet mit Bomben und MG die Batterien Odderöy anzugreifen. Kurz nach 0700 Uhr wurde zum 2. Male in ähnlicher Weise zum Angriff angesetzt und versucht, unter dem Feuerschutz der "Ku." zunächst die beiden Torpedoboote in den Hafen hineinzubringen. Da das Feuer der Landbatterien nicht abnahm und die Heerestruppen auf den Torpedobooten vor ihrem eigentlichen Einsatz erheblich gefährdet erschienen, habe ich dem Verband nochmals herausgeführt, um zunächst auf etwas größere Entfernung mit allen Geschützen den Widerstand zu brechen. Inzwischen griffen Teile einer Kampfstaffel in den Kampf ein und belegten die Batterien auf Odderöy mit Bomben, die anscheinend gute Wirkung hatten. "Karlsruhe" führte dann auf nordöstlichem und südwestlichem Kurse außerhalb der eigentlichen Einfahrt auf 136 hm eine planmäßige Beschießung der Batterien von Odderöy mit allen Geschützen durch. Die Schnellboote übernahmen die Sicherung gegen U-Boote nach See zu. Die Wirkung dieser Beschießung war nach Beobachtung von Bord und dem Bordflugzeug aus gut. Unmittelbar danach sollten die Torpedoboote unter dem Feuerschutz der "Ku." in den Hafen einbrechen. Dieser 3. Angriff, der zwischen 0756 und 0834 Uhr sattfand, wurde durch plötzlich neuaufkommenden dicken Nebel verhindert, so daß der Verband unmittelbar vor der Einfahrt kehrt machen mußte. Der Verband wurde auf der 200 m-Linie durch U.K. gesammelt und mit geringer Fahrt auf nordöstlichen bzw. südwestlichen Kursen bis 1020 Uhr gehalten. Durch Abbrechen der U.K.-Verbindung ging der unmittelbare Zusammenhang einzelner Einheiten im dicken Nebel verloren. Meine Absicht die Heerestruppen nunmehr an den Ausweichplatz Mövik im Vestregarpet-Fjord abzusetzten, war aus navigatorischen Gründen wegen des Nebels ebenfalls ausgeschlossen. Ein weiterer Versuch der "Karlsruhe" im Nebel die Einfahrt anzuloten, brachte das Schiff in höchste Gefahr. Ich sichtete die dicht beim Oksö Leuchtturm liegende Spierentonne auf 100 m und konnte ein Auflaufen des Schiffes nur mit äusserster Kraft zurück verhindern.

3. Einlaufen in Karlshafen

Gegen 1025 Uhr kam Nord-nordöstlicher Wind auf und der Nebel kam in Bewegung. Um 1029 Uhr wurde an die vorderen Einheiten der Befehl gegeben an "Karlsruhe" heranzuschließen. Der F.d.T auf "Luchs" und die "Tsingtau" hatten inzwischen auf 3 Schnellboote Heeresstoßtrupps und Teile der M.A.A. ausgeschifft. Um 1033 Uhr wurde nochmals an alle Einheiten der Befehl erteilt, sofort heranzuschließen, da es inzwischen klar geworden war. Die Einfahrt und wenige Minuten später auch der hohe Felsgipfel von Odderöy kamen in Sicht. Von mir wurde nun an jede Einheit der Gefechtsbefehl gegeben : " T-Boote, S-Boote unter vollem Einsatz unter Feuerschutz von "Ku." in den Hafen einbrechen". "Tsingtau" folgt in 600 m Abstand und geht sofort im Hafen an die Pier. Die nicht von Heeresstoßtrupps besetzten S-Boote in die Nähe von "Ku.". Nach meiner Auffassung war der Verband bei dem zunehmenden klaren Wetter vor der Hafeneinfahrt durch U-Boote auf das höchste gefährdet. 1037 Uhr erfolgte das Signal Z.O. von "Ku.". Bis 1052 Uhr mußte jedoch noch gewartet werden, weil die Umschiffung der Heeresstoßtruppe von "Tsingtau" noch nicht beendet war. Um 1105 Uhr erhielt "Ku." den Funkspruch von der Gruppe, daß eine Staffel Kampfflugzeuge zur Unterstützung unterwegs sei. Um 1110 Uhr liefen die Torpedo-Schnellboote und "Ku." gefolgt von "Tsingtau" in die Fjordeinfahrt ein. Es fiel kein Schuß mehr. 1135 Uhr gab der F.d.T. von "Luchs" das Signal Feuer einstellen, kein Widerstand. S-Boote und T-Boote gingen an die vorher befohlenen Landungsstellen. Die Heeresstoßtrupps und die M.A.A. nahmen in kurzer Zeit die Batterien auf der Felsinsel Odderöy. 1150 Uhr ankerte "Ku." auf 45 m Wasser im Hafen. Im östlichen Teil der Stadt wurde Maschinengewehrfeuer gehört. Unmittelbar nach dem Ankern wurde die deutsche Kampfstaffel gesichtet und durch Feuern von E.S. und weißen Sternen darüber unterrichtet, daß der Widerstand gebrochen sei. Ab 1200 Uhr erfolgte die Ausschiffung der Heerestruppen von "Ku." mit den Schnellbooten und dem T-Boot "Seeadler". Die Ausschiffung nahm etwa 3 Stunden in Anspruch.

Das eigene Bordflugzeug wasserte nach dem Ankern "Ku." im Hafen. Bei dem plötzlichen Nebeleinbruch um 0829 Uhr wasserte das Flugzeug an der Küste, da ein Erreichen der "Ku." wegen des Nebels nicht mehr möglich war. Nach Meldung des Flugzeugführers wurde das Flugzeug zur Vernichtung vorbereitet und die Wetterlage abgewartet. Nach dem Aufklaren gegen 1030 Uhr konnte das Bordflugzeug unbeschädigt wieder starten. Der Flugzeugführer Oblt. z. S. Hesse meldete mir nach Rückkehr, daß eine 50 kg. Bombe in die Funkstation geworfen und das Odderöy mit MG Feuer angegriffen sei. Die im Hafen liegenden 2 norwegischen U-Boote B5 und B2 wurden durch ein Kommando von "Karlsruhe" durch Herrausnahme der Drucklager fahrunklar gemacht. Die Drucklager sind auf "Tsingtau" abgegeben worden. Gegen 1400 Uhr wurden 3 S.-Boote mit Heeresstoßtrupps auf Anforderung des Regimentskommandeurs 310 nach dem Flugplatz Kjewik entsandt.

An die erste Transportstaffel wurde gegen 1200 Uhr der Funkbefehl nach Plan gegeben, nachdem in den frühen Morgenstunden gegen 0600 und 0900 Uhr der Befehl gegeben wurde: "Ruhepause 2 bzw. 3 Stunden". Im Laufe des Nachmittags liefen die Dampfer: "Westsee", "Wiegand" und "Leonhard" in den Hafen ein. In den frühen Morgenstunden war bereits das Flugsicherungsschiff "Karl Meyer" vor der Hafeneinfahrt gesichtet worden, daß im Anschluß an "Tsingtau" ebenfalls einlief. Zur Sicherung der beiden Einfahrten wurden zwei S.-Boote angesetzt mit dem Befehl, die Hafeneinfahrt gegen das Einbrechen von U-Booten zu überwachen, den Dampferverkehr unter Kontrolle zu nehmen und die deutschen Dampfer in den Hafen zu führen. Vermißt wurde der Öldampfer "Stedingen" und Dampfer "Kreta". Von letzterem war durch Funkspruch bekannt geworden, daß er südöstlich des Oslofjordes versenkt war. Durchführung der Arendal-Aufgabe durch Torpedoboot "Greif". Gegen Nachmittag lief "Greif" von Arendal kommend in Christiansand ein. Der Chef der 5. T.-Flottille hatte ebenfalls vor Arendal dichten Nebel am frühen Morgen angetroffen, der ein Einlaufen zur Weserzeit verhinderte. Nachdem es zwischen 0700 und 0900 Uhr aufklarte, konnte "Greif" in Arendal einlaufen und ohne Widerstand die Radfahrschwadron 234 an Land setzen. Die Aufgabe wurde planmäßig durchgeführt.

Gegen 1700 Uhr erhielt der an Bord "Ku." eingeschiffte Admiral Süd die Meldung von Regimentskommandeur 310, daß Rathaus, Eisenbahn, Post, Odderöy und Funkstation vor der Batterie Gloedden besetzt seien. In der Stadt herrsche z.Zt. Ruhe. Der Admiral Süd begab sich daraufhin mit seinem Stabe an Land. Anforderungen des Herres auf weitere Unterstützungen des Kreuzers "Ku." wurden im Laufe des Nachmittags nicht mehr gestellt. Anschließend wurde die Befehlsführung über die in Christiansand verbliebenen Seestreitkräfte, zu denen die 2. Minensuchflottille hinzugetreten war, dem F.d.T. übergeben und vereinbahrt, daß "Ku." unter U-Bootsschutz von "Luchs", "Greif" und "Seeadler" um 1900 Uhr auslaufen sollte. Der Zeitpunkt 1900 Uhr war festgesetzt worden, um einerseits dem Befehl der Gruppe Ost nachzukommen, möglichst frühzeitig mit "Ku." nach Anholt zu gehen und andererseits die T.-Boote für ihre weiteren Aufgaben, Sicherung der Sperrlücken, nicht zu weit nach Osten zu ziehen. Für den Zeitpunkt des Auslaufens war auch der geringe Brennstoffbestand, der in Christiansand z.Zt. noch nicht aufgefüllt werden konnte, massgebend. Hierzu kam noch, daß ein engl. Aufklärer den Hafen überflogen hatte, so daß auch mit dem Angriff von Bombern zu rechnen war. Die T.-Boote sollten gegen 2100 Uhr nach Eintritt der Spätdämmerung von "Karlsruhe" entlassen werden. Gegen 1600 Uhr lief die 2. Minensuchflottille in den Hafen von Christiansand ein und meldete sich zur Stelle. M.1 gab einen schwerverwundeten Gefreiten und einen leichtverwundeten Major der Fliegerkampfstaffel ab. Die Chefmaschine war über Christiansand von MG-Feuer getroffen und mußte vor dem Fjord im Wasser notlanden. Die Besatzung wurde von M.1. aufgenommen.

4. Haltung der Besatzung

Die junge Besatzung der "Ku.", die kaum 2 Monate im Dezember 39 und Januar 40 gefahren war, hat sich bei der Einnahme von Christiansand mustergültig verhalten. Obwohl zusätzlich zu der Besatzung von 665 Köpfen noch 640 Herrestruppen eingeschifft waren, hat der Klarschiffzustand und die gesamte Befehlsführung innerhalb des Schiffes ohne jegliche Störung einwandfrei gearbeitet. Alle Waffen, in Sonderheit die Artillerie, Nachrichtenwesen und die Maschinen haben auf dem Anmarsch wie auch im Gefecht Vorzügliches geleistet. Die Artilleriewaffe hat an diesem Tage ihr erstes Kaliberschießen unter der Leitung des Artillerieoffiziers, Kaptlt. Gohrbandt, unter schwierigsten artilleristischen Bedingungen erfolgreich erfüllt. Es wurden über 50 Stück der Gefechtsmunition der 15 cm Batterie verschossen. Nach dem 2. Angriff mußte die Kalibermunition von Turm B nach Turm A gemannt werden, da Turm A bis zu 20 Schuß verschossen war. Die navigatorischen Anforderungen zur Durchführung der Aufgabe vom Ausmarsch von Wesermünde bis nach Christiansand waren durch die gegebene Wetterlage auf das höchste gesteigert. Nur mit Hilfe von Funkpeilungen fremder Stationen und durch weitgehende Heranziehung von Lotungen konnte die Aufgabe gemeistert werden. Der Verdienst fällt ausschließlich dem Navigationsoffizier, K. Kapt. Neuendorff, und seinem ausgezeichneten Steuermannspersonal zu. Für die gesamte Organisation, Einschiffung, Unterbringung und Dienstregelung an Bord einschl. der Heerestruppen, bei gleichzeitiger voller Aufrechterhaltung des Klarschiffzustandes des Schiffes war mir der 1. Offizier verantwortlich. Er hat diese Aufgabe nach jeder Richtung hin vorbildlich erfüllt.

Zusammenfassend melde ich, daß das Offizierskorps und die Besatzung mit voller Einsatzbereitschaft die an sie gestellten hohen Forderungen ohne jede Einschränkung erfüllt haben.
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Datum: 08.01.2007 23:14
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Hinzugefügt von: Wehrmachtlexikon


   

 

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